Kunstorientierte Methoden

 

Kunst als Ausdrucksform
Schon seit den Höhlenmalereien der Urzeit benutzen Menschen künstlerische Methoden, um ihren Gefühlen, ihrem Erleben und damit verbunden ihrem Selbst Ausdruck zu verleihen. Durch das entstehende Werk kann sich der Künstler diese innere Wirklichkeit erschliessen und sie auf eine über das Sprachliche hinausgehende Art anderen mitteilen.

Der werkorientierte Ansatz der kunstorientierten Therapie (kurz: „kunstorientierte Methoden“ (Herbert & Knill, 2010; Dietrich & Knill 2018), der sich aus der Expressive Arts Therapy („EXA“) und den Grundsätzen der systemischen Methoden entwickelt hat, ist eine Möglichkeit, sowohl die Wirkung von bereits erschaffenen Werken als auch die Kreativität der ästhetischen Logik (Ciompi, 1997), mit der die Werke geschaffen werden, für Veränderungen von Menschen nutzbar zu machen.

Die Krise als Notenge
Wenn Menschen sich - in der Sprache der kunstorientierten Methoden - in einer Notenge befinden, können bei ihnen durch künstlerischen Ausdruck die Spielräume erweitert werden. Eine solche Notenge entsteht z.B. durch innere und äussere Konflikte, in denen die Wahlmöglichkeiten stark reduziert sind. Oftmals ist es erst das Erleben einer Notenge, was Menschen den Mut gibt, die Angst vor einer Veränderung zu überwinden. Es sind somit im Verständnis der kunstorientierten Methoden manchmal gerade die Krisen, durch die sich neue Handlungsspielräume eröffnen.

Freude am kreativen Tun
Die künstlerischen Medien, wie z.B. Gestalten, Theater, Bildhauerei, Poesie, Musik, Tanz und Bewegung, werden als imaginative Techniken verstanden, die neue Erlebensbereiche und Sichtweisen ermöglichen und somit im konstruktivistischen Sinn neue Wirklichkeitskonstruktionen entstehen lassen. Künstlerische Prozesse schaffen Raum für überraschende Momente, indem sie die häufig in Notenge-Situationen auftretenden engen Sprachschablonen verlassen und ein sinnlich-erlebensorientiertes Setting fördern und dadurch neue Lösungswege freilegen.

Dabei erfordern die kreativen Techniken der kunstorientierten Methoden keine besonderen künstlerischen Fähigkeiten oder Begabungen, sondern dienen einem Selbstausdruck, der - im Gegensatz zu den häufig eher hinderlichen Schulerfahrungen - nicht bewertet wird.


Ciompi, L. (1997). Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik (3. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Dietrich, D.J.; Gnägi Dietrich N., & Knill, P.J. (2018). Die Anwendung von kunstorientierten Methoden in der systemischen Praxis. Kontext 49, S.6-22.
Eberhardt, H., & Knill, P. J. (2010). Lösungskunst: Lehrbuch der kunst- und ressourcenorientierten Arbeit (2. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.