Systemische Haltung

 

Lösungs- und Ressourcenorientierung

Aus der systemischen Perspektive wird bei einem Veränderungswunsch der Blick nach vorne gerichtet, die Vision eines Lebens entworfen, in dem das störende Symptom nicht mehr vorhanden wäre, und daraus Veränderungsziele abgeleitet.

 

Wer aus einer systemischen Haltung auf sich und sein Leben blickt, wird beginnen, Symptome, Unzufriedenheiten, Veränderungswünsche aber auch  Freude und Glück als das Ergebnis eines einzigartigen, zirkulären Innenlebens zu verstehen. Die Suche nach einer Ursache für konkretes leidvolles Erleben verliert an Bedeutung. Dafür wird es wichtig herauszufinden, wie jemand sich selbst und seine Umgebung so gestalten könnte, dass immer häufiger das erlebt werden kann, was jemand sich wünscht.  Diese Haltung, bei der die Suche nach Lösungen und nicht die Analyse von Problemen im Zentrum steht, heisst lösungsorientiert (Shazer, 2012).

 

Die Potentialhypothese (Schmidt, 2015) der systemischen Methoden ist eine in der Praxis bewährte Grundannahme über Menschen, die besagt, dass sie in sich alle Ressourcen haben, um die Herausforderungen des eigenen Lebens zu meistern.

 

Der Konstruktivismus

Das philosophische Konzept des Konstruktivismus (Glasersfeld & Schmidt, 1997) ist eng mit den systemischen Methoden verbunden und geht davon aus, dass die Wahrnehmung von Menschen durch ihre Lebenserfahrung, durch ihre Einstellungen und Entscheidungen, ihre Gedanken und ihre Gefühle geprägt ist. Infolgedessen erleben Menschen eigentlich ähnliche Situationen völlig unterschiedlich, da sie andere Fassetten der Situation wahrgenommen haben und sich somit an andere Aspekte erinnern. So konstruiert jeder Mensch sich seine eigene Realität.

 

Der Konstruktivismus sieht die Erweiterung der Selbstwahrnehmung  als einen Weg an, Veränderungen zu ermöglichen. Die Suche nach einer Vermehrung der Wahlmöglichkeiten wurde von Heinz von Förster in seinem ethischen Imperativ als zentraler Handlungsgrundsatz formuliert: „Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“ (H. V. Foerster, 2002, S. 303).

 

Dazu werden nicht dauerhaft Experten benötigt, vielmehr kann jede und jeder zum Experten für sich selber werden. In einem therapeutischen Prozess soll das Knowhow für die Gestaltung eines reichen und sinnvollen Lebens entwickelt werden.

 

 

Foerster, H. V. (2002). Understanding Understanding: Essays on Cybernetics and Cognition. New York: Springer.

Glasersfeld, E. von, & Schmidt, S. J. (1997). Radikaler Konstruktivismus: Ideen, Ergebnisse, Probleme. (W. K. Köck, Übers.) (8. Aufl.). Stuttgart: Suhrkamp Verlag.

Schmidt, G. (2015). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung. Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten (6. Aufl.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.

Shazer, S. de. (2012). Worte waren ursprünglich Zauber: Von der Problemsprache zur Lösungssprache. (A. Schindler, Übers.) (3., unveränderte Auflage.). Heidelberg: Carl Auer Verlag.

 

 

 

Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!

 

 

H. V. Foerster, 2002, S. 303

 

 

Dr. med. Daniel Dietrich, Nicole Gnägi Dietrich, M.A. & Philipp Rüssli, lic.phil.

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